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    Wissel:
    Geographische Lage:
    51°46'18" nördl. B.
    06°17'14" östl. L.
    Einwohner: 2049
    Fläche: 994 Hektar
    Postleitzahl: 47546
    Kennzeichen: KLE
    Vorwahl: 02824

    Hier findest Du inte-ressante Links rund um Kalkar.


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    Ein Blick in mein Reise-Tagebuch

    Wie schnell verblassen doch im Alltag Ereignisse und Erinnerungen. Im digitalen Zeitalter, in dem vieles mit einem Klick erledigt ist, gerä¤t einiges auch schnell wieder in Vergessenheit. Aus diesem Grund habe ich mir dieses kleine Reisetagebuch gebastelt, in dem ich die schönsten Erinnerungen an Reisen, manchmal aber auch nur an besondere Erlebnisse festhalten kann. Schnell ist das Smartphone gezückt und 'zack'! ist der Moment auf dem Handy gespeichert. Als Whatsapp-Nachricht mit Gruß an die Liebsten wäre er jedoch alsbald wieder aus dem Sinn und in den Tiefen der Handy-Bildergalerie verschwunden.

    Hier kann ich die Highlights des Tages in Wort und Bild hinterlegen. Sicherlich könnte man so manches Bild noch nachbearbeiten und vielleicht auch noch umfangreicher beschreiben. Doch das kann ich später ja immer noch machen, wenn ich wieder vor dem Laptop sitze.

    Jetzt heißt es erst einmal, viel Spaß beim Durchblättern!

    Eintrag 618 vom 18.04.2026

    Marokko ’26 – Tag 31: Essaouira → Oualidia (196 km)

    Entlang der Atlantikküste wieder in Richtung Norden unterwegs

    Bild: Entlang der Atlantikküste wieder in Richtung Norden unterwegs

    Mehr anzeigen

    Karte: die voraussichtliche Strecke mit aktuellem Standort:

    Der Tag begann in den noch engen Gassen von Essaouira – und wie so oft zeigte sich schon hier, dass Reisen mit dem Motorrad nicht nur aus Fahren besteht. Unser Gepäck war schlicht zu schwer, um es durch die verwinkelte Medina zu tragen. Also griffen wir erneut auf die pragmatische Hilfe eines Handkarrenfahrers zurück, der mit erstaunlicher Leichtigkeit das übernahm, was uns ins Schwitzen gebracht hätte. Ein kurzer, fast alltäglicher Moment – und doch typisch für Marokko.

    Abschied von Essaouira

    Bild: Abschied von Essaouira

    Als wir gegen 10 Uhr aufbrachen, lagen bereits rund 30 Grad in der Luft. Die Hitze stand fast unbeweglich über der Stadt, und die ersten Kilometer hinaus aus Essaouira waren geprägt von diesem trockenen, flirrenden Licht, das die Landschaft leicht verschwimmen lässt. Die Straße führte uns nordwärts, meist entlang der Küste.

    Auch andere 2-Räder waren auf der Straße.

    Bild: Auch andere 2-Räder waren auf der Straße.

    Schon bald zeigte sich, wie vielseitig diese Strecke ist. Anfangs dominieren noch karge, leicht sandige Ebenen, durchsetzt mit niedrigen Sträuchern und vereinzelten Arganbäumen. Immer wieder öffnet sich der Blick Richtung Atlantik, wo das Licht auf dem Wasser glitzert – zumindest dort, wo die Küste tatsächlich sichtbar bleibt. Doch ebenso oft verschwindet sie wieder hinter flachen Hügeln oder Bebauung.

    auf der Küstenstraße

    Bild: auf der Küstenstraße

    Noch vor dem Mittag erreichten wir Souira Kedima, einen eher unscheinbaren, kleinen Ort mit erstaunlich langer Geschichte. Der Name bedeutet so viel wie „alte Souira“, und tatsächlich befand sich hier bereits in der Antike ein bedeutender Handelsposten – die Römer nannten ihn *Thamusida*.

    An der Küste bei Souira Kedima

    Bild: An der Küste bei Souira Kedima

    Heute ist davon nur noch wenig sichtbar, doch der Ort lebt von Fischerei, etwas Landwirtschaft und dem Durchgangsverkehr. Unsere Pause fiel entsprechend schlicht aus: Toast mit Käse, ein frischer Orangensaft und Kaffee – alles zusammen für gerade einmal 35 Dirham.

    Katze und Grießsuppe

    Bild: Die dazu gereichte Grießsuppe hingegen überzeugte weder uns noch die Katze unter dem Tisch, die nach kurzem Probieren ebenfalls das Interesse verlor.

    Je weiter wir fuhren, desto stärker änderte sich die Szenerie. Die natürliche Küstenlandschaft wurde zunehmend von Industrie unterbrochen. Besonders auffällig war ein Abschnitt mit chemischen Anlagen – der Geruch lag schwer in der Luft, unangenehm und beißend. Hier dominierten plötzlich Tanklastzüge und schwere Lkw das Straßenbild. Es war einer dieser Momente, in denen die Romantik der Küstenstraße einen deutlichen Dämpfer bekommt.

    Küstenstraße

    Bild: Die Küstenstraße war nicht nur schön, auch Industrie ist hier zu finden.

    Bis Safi folgten wir der R301. Safi selbst ist eine größere Hafenstadt mit langer Geschichte, einst ein bedeutender portugiesischer Stützpunkt im 16. Jahrhundert. Heute ist sie vor allem für ihre Fischereiindustrie und die Keramikproduktion bekannt. Gleichzeitig gehört Safi zu den wichtigsten Industriestandorten Marokkos, insbesondere durch die Verarbeitung von Phosphaten – was auch die zuvor durchfahrenen Industrieanlagen erklärt. Die Stadt wirkt auf der Durchfahrt geschäftig, rau und wenig touristisch, aber durchaus authentisch.

    ohne Helm unterwegs

    Bild: Viele sind ohne Helm unterwegs auf ihren oft sehr schnellen Zweirädern

    Hinter Safi wechselte die Straße, und mit ihr auch ihr Zustand. Der Asphalt blieb größtenteils in Ordnung, doch immer wieder gab es Abschnitte, die etwas rauer oder geflickt wirkten. Nichts Dramatisches – aber genug, um die Aufmerksamkeit wachzuhalten. Der Verkehr wurde ruhiger, die Landschaft wieder offener. Felder, vereinzelte Gehöfte, gelegentlich Vieh am Straßenrand – das klassische Bild des ländlichen Marokkos.

    Leuchtturm am Weg

    Bild: Leuchtturm am Weg

    Schafe im Weg

    Bild: Schafe im Weg (in der Stadt)

    Die letzten rund 30 Kilometer vor unserem Ziel hatten dann noch eine ganz eigene Überraschung parat: dichter Nebel. Fast schlagartig verschluckte er die Umgebung, als hätten wir eine unsichtbare Grenze überschritten. Die Temperatur fiel spürbar ab – von über 30 Grad auf etwa 20. Der Wind frischte auf, und aus der vermeintlich schönen Küstenstrecke wurde eine fast gespenstische Fahrt durch graues Nichts. Vom Atlantik war nichts mehr zu sehen, nur noch feuchte Luft und gedämpfte Geräusche.

    Der Atlantik zeigt sich wenig später noch immer rau und unberechenbar, doch kaum biegen wir in die Lagune von Oualidia ein, verändert sich die Welt schlagartig. Das Wasser wird ruhig, fast glatt, als hätte jemand den Wind einfach ausgeschaltet. Wir rollen langsam entlang der Lagune. Vor uns ziehen sich Reihen von niedrigen Gestellen und Pfählen durchs Wasser – auf den ersten Blick unscheinbar, fast wie zufällig platziert. Doch genau hier entsteht einer der bekanntesten Schätze der marokkanischen Küste. Die Austernzucht fügt sich so unaufgeregt in die Landschaft ein, dass man sie leicht übersehen könnte. Keine großen Anlagen, kein Lärm, keine Hektik – nur Wasser, Holz, Netze und das stetige Kommen und Gehen der Gezeiten.

    Austernfarm in Oualidia

    Bild: Austernfarm in Oualidia

    Hier draußen wird noch gearbeitet wie früher – langsam, direkt, mit den Händen. Zum Abend zieht Ebbe auf und Teile der Zucht liegen trocken. Männer steigen hinaus zu den Reihen, prüfen die Netze, wenden die Körbe, lösen Algen und Bewuchs. Man merkt schnell: Das ist kein industrieller Prozess. Jede Auster wird im Grunde begleitet – vom winzigen Setzling bis zur Ernte. Die Lagune gibt den Takt vor. Zweimal täglich verändert sich alles: Wasserstand, Licht, Geräusche. Und die Arbeit passt sich diesem Rhythmus an, nicht umgekehrt.

    Das vielleicht Beeindruckendste ist, wie kurz der Weg vom Wasser auf den Teller ist. Kaum irgendwo sonst haben wir das so direkt erlebt. Ein paar Schritte von der Lagune entfernt stehen kleine Buden und einfache Restaurants. Kein Schnickschnack, keine große Inszenierung. Die Austern werden geöffnet, ein Spritzer Zitrone dazu – mehr braucht es nicht. Man kann das Meer schmecken. Wir sitzen da, schauen hinaus auf genau die Reihen, aus denen unser Essen gerade gekommen ist, und plötzlich bekommt alles eine andere Bedeutung. Es ist nicht einfach nur ein Gericht – es ist Teil dieser Landschaft, dieses Moments.

    Oualidia wirkt wie ein Gegenentwurf zu vielen anderen Küstenorten. Kein großes Spektakel, keine laute Promenade. Stattdessen diese stille Verbindung aus Wasser, Arbeit und Genuss. Für uns ist es einer dieser Orte, die man nicht nur sieht, sondern spürt. Wo man langsamer wird, ohne es zu merken. Wo selbst eine einfache Auster zu etwas Besonderem wird – weil man versteht, woher sie kommt.

    Und während wir vor unserer Unterkunft, dem "Temps Perdu Guesthouse", die Sonne langsam unter gehen sehen, wird klar: Genau solche Momente sind es, die diese Reise prägen. Rückblickend war es ein Tag voller Kontraste: Hitze und Nebel, Natur und Industrie, weite Landschaften und dichte Luft. Eine Strecke, die auf der Karte durchgehend grün und vielversprechend wirkt – in der Realität aber mit all ihren Brüchen und Überraschungen daherkommt.


     

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    Tagebuch-Inhalt

     

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