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Ein Blick in mein Reise-TagebuchWie schnell verblassen doch im Alltag Ereignisse und Erinnerungen. Im digitalen Zeitalter, in dem vieles mit einem Klick erledigt ist, gerä¤t einiges auch schnell wieder in Vergessenheit. Aus diesem Grund habe ich mir dieses kleine Reisetagebuch gebastelt, in dem ich die schönsten Erinnerungen an Reisen, manchmal aber auch nur an besondere Erlebnisse festhalten kann. Schnell ist das Smartphone gezückt und 'zack'! ist der Moment auf dem Handy gespeichert. Als Whatsapp-Nachricht mit Gruß an die Liebsten wäre er jedoch alsbald wieder aus dem Sinn und in den Tiefen der Handy-Bildergalerie verschwunden. Hier kann ich die Highlights des Tages in Wort und Bild hinterlegen. Sicherlich könnte man so manches Bild noch nachbearbeiten und vielleicht auch noch umfangreicher beschreiben. Doch das kann ich später ja immer noch machen, wenn ich wieder vor dem Laptop sitze. Jetzt heißt es erst einmal, viel Spaß beim Durchblättern! Eintrag 522 vom 15.06.2025Tag 30 – Von Valea Putnei nach Botiz (282 km)Bild: die nach einem Brand wiederaufgebaute Holzkirche in Borsa
Karte: die Fahrstrecke Eine Reise durch Holzkunst, Glauben und das Erbe der MaramuresHeute war einer dieser Tage, an denen der Weg mehr erzählt als das Ziel. Der 30. Tag meiner Reise beginnt kühl – nicht nur wegen der 9 Grad am Morgen, sondern auch wegen des leeren Magens: Das Hotelrestaurant macht erst um 9 Uhr auf, also fahre ich ohne Frühstück los. Es geht bergauf, in die Rodnaer Berge, und bald lande ich im Parcul National Muntii Rodnei, einem der ältesten Nationalparks Rumäniens. Frühstück am Prisloppass – 1.416 m über dem Meer
Bild: auf dem Prisloppass (1.416 m)
Auf dem Weg zum höchsten Punkt der Route – dem Prislop-pass auf 1.416 m – finde ich ein Restaurant kurz vor dem Gipfel. Dort gibt’s endlich Frühstück. Vom Tisch aus blicke ich über die endlosen Wälder der Karpaten. Die Landschaft ist hier unberührt, voller Tannen, mit feuchten Wiesen und wilden Bächen, die durch die Täler plätschern. Hier, wo die Luft noch nach Moos riecht, beginnt die Region Maramures, ein kultureller Mikrokosmos im Norden Rumäniens. Maramures – Wo das Holz Geschichten erzähltMaramures ist nicht nur eine Region, sie ist eine Zeitkapsel. Die Dörfer hier haben ihre uralte Struktur bewahrt, und was besonders auffällt: die Häuser sind oft aus Holz gebaut – und nicht einfach nur zusammengezimmert, sondern kunstvoll verziert mit geschnitzten Ornamenten.
Bild: Maramures und Holz Diese Verzierungen sind keine reine Dekoration. Sie haben tiefe symbolische Bedeutungen: Sonnenräder für das Leben, Spiralen für die Ewigkeit, Seile und Bänder für Schutz vor dem Bösen. Diese Traditionen wurzeln sowohl in heidnischen als auch christlichen Vorstellungen und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Sonntagsglaube in Borsa
Bild: Holzkirche in Borsa
Nach dem Pass geht es bergab Richtung Borsa, einem malerischen Ort am Fuße der Karpaten. Hier besichtige ich eine kleine, nach einem Brand wiederaufge-baute Holzkirche. Es ist Sonntag, und das sieht man sofort: Viele Menschen strömen zur Messe. Frauen tragen bunte Tracht mit gestickten Röcken und bestickten Blusen, Männer weiße Hemden und oft Filzhüte. Der Gottesdienst ist nicht nur religiöses Ritual – er ist soziales Ereignis, Ausdruck der Identität und Gemeinschaft. Kein Wunder also, dass es in der Maramures kaum ein Dorf ohne zwei oder drei gepflegte Kirchen gibt. Selbst am Supermarkt – der übrigens sonntags geöffnet hat – ist einiges los. Zwischen den Einheimischen tummeln sich auch polnische Motorradfahrer. Offenbar sind die nordrumänischen Routen längst kein Geheimtipp mehr. Im Iza-Tal – Ein Freilichtmuseum der VolkskunstBei Moisei biege ich links ab und folge dem traumhaften Tal der Iza. Die Straße schlängelt sich entlang des Flusses, vorbei an Dörfern wie aus dem Bilderbuch. Viele Häuser haben gemalte Ornamente an den Fassaden, einige sogar bunte Szenen aus dem bäuerlichen Leben oder biblische Motive. Fast jedes Grundstück ist durch ein kunstvoll geschnitztes Holztor geschützt – oft so präzise gearbeitet, dass sie wie Spitzen wirken. Dazwischen immer wieder Heuschober, die auf den grünen Wiesen stehen wie verstreute Hüte. Bild: Jesuskreuz am Wegrand
Entlang der Straße sieht man auch viele Jesuskreuze, liebevoll gepflegt, oft mit frischen Blumen geschmückt. Sie markieren nicht nur religiöse Standpunkte, sondern sind Ausdruck eines lebendigen Glaubens, der nicht hinter Kirchen-türen verschwindet, sondern sichtbar und greifbar im Alltag verankert ist. Bârsana – Klosterleben zwischen Touristen und Stille
Bild: Hänge-brücke am Kloster Bârsana
Mittags halte ich am bekannten Kloster Bârsana, das ein wenig unter seinem eigenen Ruhm leidet. Es ist wunder-schön gelegen, auf einem Hügel mit Blick über das Tal. Die hohen Holz-türme, spitz und schlank, recken sich wie Finger in den Himmel. In der Nähe befindet sich auch eine Hängebrücke über den Fluss, an der ich eine Pause einlege, um etwas zu essen und zu trinken und teste natürlich auch die Tragfähigkeit der Konstruktion. Man muss nur weit genug vorausschauen, dann ist das Hinübergehen überhaupt nicht schwierig. Sapânta – Der Friedhof, der keiner mehr ist, und doch lebendiger als vieleHinter Sighetu Marmatiei wollte ich noch einmal zum „Cimitirul Vesel“, dem sogenannten „lustigen Friedhof“ von Sapânta. Ich war vor Jahren schon einmal hier – damals war es ein stiller, fast magischer Ort. Heute wirkt alles eher wie ein buntes Volksfest. 10 Lei Eintritt, dichtes Gedränge, Souvenirstände mit Holzlöffeln, T-Shirts und Miniaturgrabkreuzen. Ich flüchte schnell. Die alten Fotos, die ich von früher habe, sind mir lieber als dieser neue Trubel – doch ein paar Gedanken möchte ich diesem außergewöhnlichen Ort trotzdem widmen.
Bild: der lustige Friedhof von Sapânta Denn der „lustige Friedhof“ ist mehr als nur eine Touristenattraktion – er ist einzigartig auf der Welt. Statt grauer Grabsteine stehen hier hunderte leuchtend bemalter Holzkreuze, jedes ein Unikat. Sie erzählen das Leben der Verstorbenen mit einer Mischung aus Volkskunst, Satire und Liebe. Oft ist ein Bild geschnitzt: Eine Frau beim Weben, ein Bauer mit Pferdewagen, ein Dorfschmied an der Esse. Und darunter kleine Reime in der lokalen Mundart, ehrlich, oft humorvoll, manchmal fast frech. Ein Beispiel: > „Hier ruhe ich. Ich liebte Schnaps und Frauen – manchmal zu sehr. Doch wehe dem, der jetzt mit meiner Frau flirtet!“ Oder: > „Hier liegt meine Schwiegermutter. Wenn sie noch drei Tage länger gelebt hätte, läge ich hier.“ Diese Friedhofskultur wurde in den 1930er-Jahren vom Künstler Stan Ioan Patras begründet. Er wollte dem Tod den Schrecken nehmen – durch Farbe, Humor und Poesie. Sein Ziel: Den Tod nicht als finstere Endstation, sondern als Teil des Lebens zu begreifen. Das markante „Sapânta-Blau“, das viele Kreuze dominiert, soll dabei Himmel und Hoffnung symbolisieren. Stan Ioan Patras wurde nach seinem Tod natürlich auch hier beigesetzt – mit einem eigenen, selbst verzierten Kreuz. Moiseni – Das vergessene KlosterjuwelMein nächster Halt ist das Monastery Holy Trinity – Moiseni, ein orthodoxes Frauenkloster, das deutlich weniger bekannt ist. Die Anlage ist gepflegt, in ruhiger Hügellandschaft gelegen, umgeben von Blumenbeeten, Obstbäumen und einem klaren Bach. Eine Nonne schenkt mir ein Lächeln, als ich die Kirche betrete. Drinnen der Duft von Bienenwachs und Weihrauch – eine fast meditative Atmosphäre. Wer Stille sucht, findet sie hier.
Bild: Kloster Bârsana Botiz – Letzte Station in Rumänien
Zurück auf der DN18 erreiche ich schließlich über Negresti-Oas die Grenzregion und finde kurz vor Satu Mare in Botiz ein kleines, aber schönes Hotel für die Nacht. Botiz ist ein ruhiges Dorf mit etwa 3.000 Einwohnern, traditionell landwirtschaftlich geprägt. In den letzten Jahren wurde es mehr und mehr zur Wohnsiedlung für Pendler nach Satu Mare. Viel gibt es nicht zu sehen – aber nach so vielen Eindrücken tut gerade das gut: ein ruhiger Abend, ein Ausblick: Durch Ungarn bis in die Hohe Tatra in der SlowakeiMorgen geht es über die Grenze nach Ungarn.Wahrscheinlich bin ich dann abends in der Slowakei irgendwo in der Hohen Tatra. Wir werden sehen. Fazit des TagesHeute war ein Tag voller Kontraste: kühle Höhen, warme Dörfer, Glauben, Handwerkskunst und Enttäuschung über zu viel Tourismus. Doch gerade das macht diese Reise so lebendig. Morgen wartet ein neues Land – und damit ein neues Kapitel.
Bereits freigeschaltete Kommentare:
Frank T aus W
– Irland
Hallo Reinhold,
weiterhin eine superschöne Reise und immer gute Fahrt. Wenn Du an den Cliffs of Moher bist, vergiss nicht dem Dorf Doolin einen Besuch abzustatten! 5 Häuser, 4 Pubs - das ist Doolin, die Hauptstadt der irischen Pub-Music... Gruß Frank aus Wuppertal
Gröhlebär
– B1-Treffen 2025
Hallo Telli! Genauso war es! Ein schöner und realistischer Bericht über unser B1-Treffen😎
Coskun Sevinc
Tolle bilder von Rumaenien....wünsche dir weiterhin gute fahrt....lg
Gaby Ritgen
Wow, tolle Tiere 🐻. Doch sicher nicht zum Kuscheln.🙈
LG
Reinhold
Hallo Beate! Das hätte ich mich nie getraut, anzuhalten, Gang raus, Handschuhe aus, Handy zücken und dann das ganze wieder retour. Meine GoPro auf dem Helm war so eingestellt, dass alle 30 s ein Foto gemacht wurde, während ich mit eingelegtem Gang und der Hand am Gasgriff fluchtbereit war.
Schöne Grüße
Beate Becker
Krass!! Du bist ja mutig, stehen zu bleiben und noch Fotos mit ruhiger Hand zu machen!! Gute Fahrt weiterhin! 🌰🌰🌰
Manfred
Allzeit gute Fahrt „Steve“ und liebe Grüße aus Köln
Danail Ivanov
Great diary, we looked at your travels, a great idea to remember. Thank you for the good review.
Danail Ivanov
Thank you for being our guest, you and your family are always welcome.
Cornelia Michel
Grüße aus der Provence🍷🚴♀️🪛☀️🙇♀️
Hans -Joachim Gröhlich
Sieht aus wie ein UFO aus der Steinzeit 😉 viele Grüße aus Island
Christof J.
Noch viel Spaß auf der Reise ⛹
Coskun Sevinc
Hallo Mein Freund
wünsche dir eine gute fahrt und liebe grüsse von der Familie Sevinç.....
Birgit
Hallo Reinhold
Es ist nach wie vor spannend deine Reiseberichte Abends zu lesen Das Beben der Erde braucht kein Mensch . Wünsche dir das du gut weiter kommst und noch viele interessante Begegnung hast und wir noch viel zum lesen bekommen was du so Erlebst. Liebe Grüße aus Heroldsberg Birgit
Achim Holloh
Viel Spaß und liebe Grüße an deine "Schutzbefohlenen" 😁
Reinhold
Dankeschön, da freue ich mich auch schon drauf auf das Wiedersehen.
Albrecht Kimmel
Weiterhin tolle Erlebnisse und eine gute Fahrt🙇✋🏽👩 🚴♂️⚽
Bis bald auf ein Wiedersehen bei der Irland Tour
Reinhold
Dankeschön 🍫
Uwe Volz
Schön gemacht deine Seite - ich reise quasi mit 🤏
Norbert
👍. Viel Spaß und gutes Fahren!
Anke Wolf
Oh, das hört sich traumhaft an👏👍
Wolfgang
Prima! steinbrücke gefunden. Sind ja noch mehrere auf deinem Weg. Vielleicht kommst du noch an welchen vorbei.Ja, die Strassen im Pindos sind wild. Aber kein Wunder, die Gegend ist sehr einsam, und die Strassenmeisterei muss viele viele Kilometer Strasse davor bewahren, von der Natur überwuchert zu werden.
Reinhold
@Wolfgang
Dankeschön für den Tipp, da will ich dann morgen mal schauen, ob ich die Steinbrücken um Ioannina auf dem Weg zu den klöstern finde.
Birgit
Hallo Reinhold ,
Nach so viel Km hast ein Stiefelbier verdient . Und wie ich lese ist deine Fahrt auch nicht langweilig . Wünsche Dir ein gute Fahrt mit vielen spannenden Begegnung und Erlebnissen. Immer schön sitzen bleiben ⛹! Liebe Grüße von Birgit aus Heroldsberg
Hans Michaeli
Wir wünschen dir eine wunderschöne und unfallfrei Reise. Wie gerne wäre ich jetz mit dir unterwegs.Aber zum Trost sehen wir uns ja bald wieder wenn wir nach Irland fahren. LG Hans und Simone
Wolfgang
Servus Reinhold
Wünsche dir eine erlebnisreiche und unfallfreie Türkeitour! Du hast ja auf deiner Website nach Tipps gefragt: die Steinbrücken um Ioannina sind sehenswert, Meteora bist du eh, plane hier besser 1,5 bis 2 Tage, weil nicht jedes Kloster ist jeden Tag offen. In der Türkei ist Bursa sehenswert. Freue mich wenn du auf der Rückreise zu uns kommst. Gästezimmer ist bereit. Info dazu: am 28.-29.6. sind wir nicht daheim.
Wilhelm
Moin Reinhold.
Ich wünsche dir eine schöne Tour und immer zwei Finger Platz unterm Ventildeckel. Grüße vom Niederrhein
Jaffa
Gute Reise 🤚
Reinhold
Hallo Birgit!
Du warst mir eine angenehme Begleiterin. Gerne würde ich dich nochmals mitnehmen. Vielleicht klappt's ja im nächsten Jahr wieder? Bis dahin noch eine schöne und unfallfreie ⛹ Zeit. Liebe Grüße Reinhold
Birgit
Hallo Reinhold
Bin begeistert von deinen Berichten und konnte es in Ruhe noch einmal ansehen und lesen was wir in Böhmen so gesehen und gefahren sind. Werde es mir immer wieder gerne ansehen. Und natürlich weiterhin mir deine Bericht ansehen und lesen wenn du unterwegs bist. Wäre schön wenn wir uns mal wieder sehen auf einer Tour ⛹ Liebe Grüße aus Heroldsberg Birgit
Irmgard
Die Schneeflocken auf dem Bildschirm, die da ständig runterfallen, mache mich total kirre😄
Werner
– Test von Werner
mit Umlauten ÄÖÜßüöä und Emoji
Es freut mich das die Umlaute nun angezeigt werden können, übrigens eine sehr schöne Seite, die du hier gebaut hast Bis bald! 😃 😴 😱 😸
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